GIRLWOMAN Urban Spree, Berlin am 11.03.27
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Im Universum sind fünf Jahre nicht einmal ein Wimpernschlag, im Popgeschäft eine halbe Ewigkeit. Im November liegt die Veröffentlichung des Debütalbums „Das große Ganze“ des Bielefelder Duos Girlwoman fünf Jahre zurück. Songs wie „Prisma“ und „Rote Riesen schlafen nicht“ waren club- und radiotauglich, der Durchbruch schien nah. Doch die Corona-Pandemie bremste das Duo aus, gefolgt vom Krieg in der Ukraine, der Sängerin Axana Exner besonders belastet: „Die schreckliche Nachricht darüber, dass Russland die Ukraine angegriffen hat, hat uns sprachlos gemacht – und macht es noch.“ Ihre Eltern stammen aus Sibirien und dem Ural, ihre Großeltern wurden in der Ukraine geboren.
Auch die langjährige künstlerische und private Beziehung zu Rasmus zerbrach. Das gemeinsam fertig produzierte Album erscheint nun unter dem Namen Girlwoman als Axana Exners Soloprojekt. Auf „Wo ich war“, das am 13. November 2026 erscheint, verarbeitet sie die vergangenen fünf Jahre in dunklen, autofiktionalen Geschichten und eindringlichen Popsongs.
Entsprechend klingt das Album rockiger und düsterer als sein Vorgänger. „Da, wo die Geschichten herkommen, die in den Songs erzählt werden, ist es dunkel. Aber nur da, wo es dunkel ist, kann man das Licht als etwas Besonderes wahrnehmen“, erklärt Axana den Schaffensprozess.
Geschrieben und produziert haben Axana und Rasmus die Songs gemeinsam, beim finalen Mix unterstützte Olaf O.P.A.L., der bereits Acts wie The Notwist und JULI begleitet hat. Rockelemente fügen sich selbstverständlich in den großen Pop-Entwurf. Erstmals ist bei Girlwoman ein echtes Schlagzeug zu hören, eingespielt von Leon Brames in einer alten, mikrofonierten Wassermühle. Auch die Violinen stammen von Axana, die sie in aufwendigen Aufnahmenächten zu einem vielschichtigen Ensemble schichtete.
Neu sind zudem englischsprachige Texte. „Brutal Lover“ enthält sogar russische Passagen. Der Song handelt von einem schmerzhaften Paradoxon der Liebe: Oft verletzen wir gerade die Menschen am meisten, die wir am stärksten lieben. Die Protagonistin erkennt ihr Verhalten, kann es aber nicht ändern und fordert ihr Herz auf, sie fürchten zu lernen.
Das Cover der Künstlerin Aisha Naomi Stief zeigt das Cockpit eines ramponierten Autos, überwuchert von Pflanzen. Aus dem hässlichen Schrotthaufen entsteht etwas Schönes – ähnlich wie aus den dunklen Geschichten des Albums Songs, die Hoffnung machen und Mut für kommende Abenteuer geben.
„Wo ich war“ ist damit auch eine Coming-of-Age-Platte, allerdings keine ausgedachte Geschichte aus einem Songwriter-Camp, sondern das Ergebnis eigener Erfahrungen. Die erste Single „Tunnelblick“ ist bereits erschienen. 2027 kehrt Axana Exner mit einer neu formierten Liveband auf die Bühne zurück. Es geht weiter – und endlich fällt wieder Licht auf Girlwoman.
Oder, um Leonard Cohen zu zitieren: „There is a crack in everything, that’s how the light gets in.“